Der Name dieser Heilpflanze beschreibt wunderbar ihre Wirkung. Ihre wertvollen Wurzeln werden zwischen St. Michael (29. September) und dem Austrieb im Frühjahr ausgegraben. In unserem Garten in Feldkirch ragen die Blätter bereits ein paar Zentimeter aus dem Boden. Höchste Zeit zur Ernte!

 

 

Der Beinwell

(Symphytum officinale)

Familie der Borretschgewächse (Boraginaceae)

So sieht der Austrieb im zeitigen Frühjahr aus

Volksnamen:
Wallwurz, Beinbruchwurzel, Beinwurzel, Heilwurzel, Milchwurz, Schmerzwurz.

Inhaltsstoffe:
Die Pflanze enthält Alantoin, bis zu 6 % Gerbstoffe, Schleimstoffe, Stärke, Triterpensaponine, Asparagin, Phytosterine, B-Vitamine (auch B12), Kieselsäure, Cholin und bis zu 0,6 % Pyrrolizidine (in hohen Dosen leberschädigend, können die Entstehung von Krebs begünstigen. Keine Anwendung während Schwangerschaft oder Stillzeit; nur äußerliche Anwendungen auf intakter Haut).

Volksmedizin:
Verwendet wird vorwiegend die Wurzel
(Blätter finden ebenso arzneiliche Anwendung). Sie wirkt wundheilend, geweberegenerierend, abschwellend, schmerzlindernd, entzündungshemmend, erweichend, knochenwachstumsfördernd, blutstillend. Aus einem Ölauszug kann ein Balsam hergestellt werden; dieser oder ein Auszug in hochprozentigem Alkohol als Tinktur oder Breiauflagen aus der frisch geernteten Wurzel können bei Gelenksbeschwerden, Sehnenscheidenentzündungen, Gicht und Knochenbrüchen helfen.

Wissenschaftlich belegte Anwendungen gegen Quetschungen, Zerrungen Prellungen und Verstauchungen. 

Erkennungsmerkmale:
An Bruchstellen riecht die Pflanze nach Gurke. Raue Behaarung auf allen Pflanzenteilen außer den Blüten. Die Wurzeln haben eine schwarze Außenschicht, sind biegsam und bei Verletzungen tritt ein klebrig-schleimig-milchiger Saft aus.

 

 

Beinwellbalsam

Für die Herstellung des Balsams brauchst du als Basis einen Ölauszug:

Beinwellöl

Zutaten

Beinwellwurzel(n)
Oliven- oder anderes hochwertiges Bio-Öl
1 Prise Salz
Ausgekochtes Glas für den Ansatz
Stofftuch und Gummiring

Ausgekochtes Braunglas zur Aufbewahrung mit Öl-tolerantem Verschluss*

 

Zubereitung

  • Die Wurzel(n) gut reinigen und trocknen, schadhafte Stellen ausschneiden.
  • Wurzel(n) mit der Schale klein schneiden. In das Glas geben. So mit Öl auffüllen, dass 1/3 der Menge Wurzelstücke und 2/3 der Menge das Öl ausmacht, Salz zufügen.
  • Das Glas in ein Wasserbad stellen (kleinen Kochtopf mit Wasser so füllen, dass das Ansatzglas noch gut aufrecht darinstehen kann). Wasser erhitzen und eine Stunde auf einer Temperatur von 65 bis 70°C halten. Ab und zu umrühren. Im Wasserbad abkühlen lassen.
  • Das Glas in ein Wasserbad stellen (kleinen Kochtopf mit Wasser so füllen, dass das Ansatzglas noch gut aufrecht darinstehen kann). Wasser erhitzen und eine Stunde auf einer Temperatur von 65 bis 70°C halten. Ab und zu umrühren. Im Wasserbad abkühlen lassen.
  • Das Glas mit dem Stofftuch zudecken und 3 bis 5 Tage bei Zimmertemperatur ziehen lassen; dabei gelegentlich umrühren.
  • Den Ansatz über Nacht durch einen Kaffeefilter in das Braunglas abtropfen lassen.

Lichtgeschützt und gut verschlossen bei Zimmertemperatur aufbewahrt mindestens bis zu einem Jahr haltbar.

* Beim Kauf der Deckel darauf achten, dass sie zur Verwendung für die Aufbewahrung von fetthaltigen Lebensmitteln gekennzeichnet sind.  Aus nicht entsprechend gekennzeichneten Verschlüssen kann durch Fett Weichmacher aus der Beschichtung gelöst werden. Für die Äußerliche Anwendung wäre das vermutlich zwar tolerierbar, aber besser, man achtet beim Aufbewahren von fetthaltigen Stoffen immer darauf.

Ein Thermometer leistet gute Hilfe beim Halten der Temperatur

 

 

Nun folgt der zweite Schritt – die Herstellung des Balsams:

Zutaten für einen 50 ml-Tiegel

50 g Beinwell-Öl
5 g Bienenwachs

Nach Belieben 5 Tropfen ätherisches Öl (Rosmarin, …)

Korn 80%
Kosmetiktiegel

Glas- oder Holzlöffel
Silikonspatel

 

Zubereitung

  • Tiegel, Deckel und Werkzeug mit Korn auswischen oder einsprühen.
  • Öl und Bienenwachs im Wasserbad erwärmen, bis das Wachs geschmolzen ist.
  • (Das ätherische Öl in den etwas abgekühlten Balsam einrühren.)
  • Balsam in den Tiegel füllen.
  • Ohne Deckel auskühlen lassen um die Bildung von Kondenswasser auf dem Balsam zu verhindern. Dann erst verschließen.

Haltbarkeit: Mindestens 3 Monate; bei lichtgeschützter Lagerung bei Zimmertemperatur und ungeöffnet bis zu einem Jahr.

Frisch abgefüllt– der Deckel kommt erst drauf, wenn der Balsam fest ist
Viel Spaß beim Ausgraben (Beinwelll hat übrigens einen enormen Ausbreitungsdrang und es ist schwer ihn wieder loszuwerden, so man das wollte …) und Zubereiten. 
Ich wünsche dir, dass du die Hilfe dieser Pflanze nicht brauchst. Solltest du diese Unterstützung doch nötig haben, wünsche ich dir, dass sie hilft!

 

Beachte bitte:          

Alle Informationen in diesem Beitrag sind mit großer Sorgfalt recherchiert und zusammengestellt worden, eine Garantie für die Richtigkeit und das Gelingen kann dennoch nicht gegeben werden. Jede:r handelt auf eigene Verantwortung, wenn Wildkräuter gesammelt und verwendet werden. Die exakte Bestimmung der gesammelten, gesunden Pflanzen hat absolute Priorität, ebenso muss der Sammelort sorgfältig ausgesucht werden.

Alle Hinweise auf Heilwirkung und Essbarkeit/Nutzung haben rein informativen Charakter. Bei Gesundheits- & Heilanwendungen empfehle ich ausdrücklich eine Rücksprache mit einem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker.   

Für Schäden übernimmt die Autorin keine Haftung. 

Literaturhinweise und Quellenangaben

  • „Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen. 2000 Pflanzen Mitteleuropas. Bestimmung, Sammeltipps, Inhaltsstoffe, Heilwirkung, Verwendung in der Küche“ von Steffen Guido Fleischhauer, Jürgen Guthmann und Roland Spiegelberger; 3. Auflage 2016; AT-Verlag
  • „Grüne Apotheke. Das Standardwerk zur Pflanzenheilkunde“ von Dr. Jörg Grünwald und Christof Jänicke, GU-Verlag, erschienen 2015
  • „Heilsalben aus Wald und Wiese. Einfach selbst gemacht“ von Gabriela Nedoma aus der Reihe: „Das kleine Buch“; 1. Auflage © 2018 Servus bei Benevento Publishing, eine Marke der Red Bull Media House GmbH
  • „Heilpflanzenrezepte. Die besten aus der Freiburger Heilpflanzenschule“ von Ursel Bühring; 2014 Eugen Ulmer KG